Wie es „danach“ weitergehen kann

Es ist der 7. Januar. Ein verregneter Tag. Wir machen uns auf den Weg nach Dinslaken. Dorthin wurde Fade, ein syrischer Geflüchteter, Mitte Dezember kommunal zugewiesen, nachdem er fast drei Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Rombachstraße zugebracht hatte.

Wir sind neugierig, wie es für Fade weitergegangen ist, nachdem wir uns von ihm verabschiedet hatten. Er ist jetzt in einem ehemaligen katholischen Kindergarten mit 34 anderen Geflüchteten verschiedenster Nationalitäten untergebracht.

Er hatte großes Glück: Er bewohnt ein kleines Vierbettzimmer, daß er sich momentan mit zwei anderen Flüchtenden teilt. Alle anderen sind in 10/11-Bettzimmern untergebracht. Das Zimmer ist spartanisch eingerichtet; Gemeinschaftssanitärräume befinden sich in der Einrichtung sowie eine kleine Küche, die von allen rund um die Uhr genutzt werden kann.

Die kommunal Zugewiesenen dürfen sich frei außerhalb der Einrichtung bewegen. In Aachen mussten die Bewohner unserer Erstaufnahmeeinrichtung innerhalb der Stadtgrenzen bleiben. Sie bekommen nach der kommunalen Zuweisung mehr als die bisherigen 30 Euro Taschengeld wöchentlich; müssen aber jetzt auch von dem Geld selbstständig einkaufen und kochen.

Fade hat sichtbar abgenommen; er erzählt uns, dass es sehr viel Ärger gab, bevor er in dieser Unterkunft untergebracht wurde. Zuvor wurde er in einer Einrichtung untergebracht, in der 3000 Leute verschiedenster Herkunftsländer miteinander auskommen mußten, was sehr schlecht funktioniert. Er beschwerte sich massiv und bestand auf einer anderen Unterbringung.

Und hatte Glück, gleich zu Anfang in der neuen Einrichtung auf einen sehr hilfsbereiten Sicherheitsbeamten libanesischer Herkunft zu treffen, der bei unserem Zusammentreffen in Dinslaken zeitweise als Übersetzer fungierte und offensichtlich sehr großes Interesse an Fades Werdegang hat. Fade spricht inzwischen einige Sätze deutsch und sein Englisch hat sich deutlich verbessert.

Leider kann er noch nicht am Deutschunterricht teilnehmen; dazu muss er erst auf sein „Interview“ warten. Bis dahin behilft er sich mit Youtube als Autodidakt. Das geht jetzt – im Gegensatz zu seiner Zeit in Aachen, da dort nie ausreichend Ruhe zum Lernen war; Fade kannte dort keine Privatsphäre aufgrund der Unterbringung mit mindestens 140 anderen Flüchtenden in der Turnhalle der Gesamtschule in der Rombachstraße.

Wir reden lange; er zeigt uns die Stadt, wir gehen einen Kaffee trinken. Im Vergleich zu Aachen wirkt Dinslaken ausgestorben. Fade betont immer wieder, daß er nach Aachen zurück möchte, sobald das möglich ist. Er berichtet davon, wie freundlich er bei uns aufgenommen wurde und wieviel Ansprache er hatte. Wie sehr ihm unsere Stadt ans Herz gewachsen ist während seiner Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung. Wie offen die Aachener BürgerInnen begegnet sind.

Er verfasst fortwährend eine einzige Liebeserklärung an Aachen. Ein größeres Kompliment an eine Stadt haben wir noch nicht gehört. Und ein schöneres Dankeschön für die Arbeit, die in der Einrichtung in der Rombachstraße täglich geleistet wird, kann es nicht  geben.

Wir nehmen viele Grüße und mehrere Videobotschaften an die anderen Bewohner unserer Einrichtung mit, die noch nicht ihre kommunalen Zuweisungen erhalten haben. Und fühlen uns einmal mehr bestätigt in dem, was wir tun.

Wir sind sicher, Fade bald wieder in Aachen zu sehen!

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